Warum Noten kopieren kein Kavaliersdelikt ist

Warum Kopieren von Noten nicht nur illegal ist, sondern auch jedem Musiker schadet

Die meisten Musiker werden es kennen: Die neuesten Noten der Charthits schnell beim Freund kopiert, in der Orchesterprobe abends werden die Kopien der neuen Stücke von Dirigenten ausgeteilt und im Internet kann man sowieso viele Noten kostenlos herunterladen.

Wo sich aber die wenigsten Musiker Gedanken drum machen – Noten kopieren ist in fast allen Fällen illegal und kein Kavaliersdelikt. Geregelt ist das im Urheberrecht, genauer im §53, Absatz 4.

Dort ist klar festgehalten, dass die Vervielfältigung von Noten rechtswidrig ist. Ausnahmen sind lediglich die Vervielfältigung von Werken, deren Urheber länger als 70 Jahre tot ist und deren Urheberschutz dadurch erloschen ist und Werke, die seit mehr als 2 Jahren vergriffen sind, d.h. käuflich nicht mehr erworben werden können. Selbst dann gibt es noch verschiedene weitere Hürden, bevor die graphische Vervielfältigung von Noten wirklich legal ist. Von diesem Kopierverbot befreit auch nicht das Argument, die Kopien dienen nur den Proben oder werden ja nur privat genutzt. Selbst für den Eigenbedarf dürfen keine Noten vervielfältigt werden.

Dennoch ist es weit verbreitet, dass Noten im großen Stil kopiert werden. Wenn man einen Musikverein oder einen Chor als Beispiel nimmt, der evtl. 30 oder mehr Mitglieder hat und seit vielen Jahren ausschließlich Noten kopiert, kommt man schnell auf eine Schadenssumme von mehreren tausend Euro.

Was vielen als Verein organisierten Musikgruppen und Chören nicht bewusst ist: In Vereinen haftet der Vorstand persönlich und mit seinem gesamten Privatvermögen für die Vergehen des Vereins. Im Falle einer Anklage oder einer Abmahnung kann es also richtig teuer werden. §106 UrhG regelt klar die Strafen:

„Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.  Der Versuch ist strafbar.“

Warum kopieren also so viele Musiker, wenn es illegal ist und dazu noch hoch bestraft wird?

Der wichtigste Grund ist die Unwissenheit. Viele Musiker wissen schlichtweg nicht, dass ihre Handlungen illegal sind. Selbst wenn das doch bekannt ist, wird Noten kopieren oft als Kavaliersdelikt abgetan. Ein Unrechtsbewusstsein ist wenig verbreitet.

Dennoch sind auch die Verlage nicht ganz unbeteiligt. Die Einführung von Musik- und Filmstreamingdiensten, wie Netflix, Spotify und Amazon Prime haben gezeigt, dass Kunden bei einem einfachen und guten Angebot lieber die legale Variante wählen. Kaum jemand redet heute noch von Musiktauschbörsen.

Im Notenhandel gibt es solche Angebote bisher leider nicht. Das liegt einerseits daran, dass viele Verlage technisch gar nicht in der Lage sind, solche Angebote zu bedienen und andererseits daran, dass der Umsatz im Notenhandel deutlich geringer ist, sodass teure Neuentwicklungen gescheut werden. Jedoch könnten viele Verlage bessere Angebote schaffen, indem sie Stücke zum Download anbieten oder Kopierlizenzen vereinfacht anbieten.

Zudem werden viele Chornoten erst ab einer Mindestbestellmenge von 20 Exemplaren angeboten, was für viele kleinere Ensemble zu hoch ist. Bei dieser Frage schaukeln sich jedoch alle Beteiligten gegenseitig hoch. Die Verlage verkaufen erst ab 20 Exemplaren, da sie davon ausgehen, dass sonst eh wenige Exemplare gekauft und anschließend kopiert werden. Die Chöre hingegen sehen es gar nicht ein, mindestens 20 Exemplare zu kaufen und kopieren lieber. Das wiederum bestätigt die Verlage in ihrer Annahme.

Mindestbestellmengen und deren Sinn werden in einem anderen Artikel noch näher beleuchtet, aber unabhängig davon gibt es einen Punkt, den Musiker beim Notenkopieren beachten sollten: Sie schaden sich selbst.

In Deutschland liegt der Umsatz mit Noten und Musikalien bei ca. 80-100 Millionen €. Wer die Anzahl der Musiker betrachtet und den Notenbedarf hochrechnet, dem ist schnell klar, dass diese Zahl deutlich höher liegen müsste. Die Differenz entspricht dem Wert der illegalen Kopien – ein Multimillionenschaden.

Da so viel kopiert wird, sind viele Musikverlage gar nicht mehr in der Lage, alle verfügbaren Arrangements zu veröffentlichen. Der Hintergrund ist folgender: Für die Veröffentlichung eines geschützten Werkes (z.B. der neueste Tim Bendzko Hit) müssen an den Urheber (Tim Bendzko) Lizenzgebühren bezahlt werden. Diese liegen mindestens bei mehreren hundert Euro. Um diese Lizenzgebühren zu verdienen, muss ein Verlag mitunter mehrere tausend Exemplare verkaufen – nur um durch die immer anfallenden Lizenzkosten kein Defizit zu erreichen.

Bei vielen Arrangements und Stücken lohnt sich dies jedoch nicht, da davon ausgegangen werden muss, dass zu viel kopiert wird.

Wenn aber jeder Musiker statt Kopien anzufertigen, die paar Euro, die Noten kosten, in legale Exemplare investieren würde, gäbe es dieses Problem nicht, da genug Geld im Markt vorhanden wäre, um die Stücke zu veröffentlichen.

Noten kopieren ist also illegal und schadet den Musikern selbst am meisten.

 

Tags: Verlag
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