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Impressionen eines Tages von Bernhard Mieglitz - Eine musikalische Analyse-

Impressionen eines Tages von Bernhard Mieglitz

- Eine musikalische Analyse-

 

Die Klavierkompositionen „Impressionen eines Tages“ von Bernhard Mieglitz stecken stilistisch einen weiten Rahmen ab. Sie weisen spätromantische, impressionistische, neoklassizistische und - ein einziges Stück - auch atonale Merkmale auf. Formal sind sie einfach gestaltet, so dass die Spielenden ohne Mühe der Struktur der Stücke folgen können.

Er bietet uns die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und erklärt uns, mit welchen musikalischen Elementen er gearbeitet hat und an welche Komponisten er seine Werke angelehnt hat.

 

1. Welchen musikalischen Idealen, Vorstellungen und Komponisten folgen Sie?

 " Schon in meiner Kindheit war Frederic Chopin mein absoluter Lieblingskomponist. Das hat sich bis heute nicht geändert, obwohl ich natürlich im Laufe der Zeit auch andere Komponisten schätzen gelernt habe. Aber Chopin ist bis heute wie eine Art Heimat, vielleicht sogar – obwohl ich in der Schweiz wohne - auch in geographischer Hinsicht.

 

 Als Komponist von sogenannter E-Musik hat man es heute natürlich schwer, nachdem schon vor hundert Jahren die Dogmen der Zwölftontechnik durch Arnold Schönberg aufgestellt worden sind und auch heute noch unerbittlich an diesem System festgehalten wird. Von mir aus gesehen eine Fehlentwicklung, die sich aber bis heute gehalten hat. Man darf also eigentlich schon lange nicht mehr tonal komponieren, ansonsten man aus dem Musikbetrieb ausgeschlossen wird.

Es hat aber immer wieder Komponisten gegeben, die sich dieser Ideologie entgegengestellt haben, so z.B. Bohuslav Martinu.Dieser Komponist kann sozusagen als Anknüpfungspunkt zu meinen eigenen Kompositionen angesehen werden, denn ich kann mir gut vorstellen, dass er sich schon damals in einer ähnlichen Situation befunden hat wie viele Komponisten heute. Wie er habe ich bei meinen Kompositionen versucht, viele moderne Elemente einzubauen, ohne aber die Tonalität vollständig preiszugeben. Meine Vorliebe zu chromatischen Tonartänderungen ist wohl stark von Chopin beeinflusst worden. Auf diese Weise hat sich wohl mein eigener Stil entwickelt. Dies werde ich Ihnen dann kurz anhand des Stückes «kleine Erzählung» erläutern. Schon nach diesen wenigen Zeilen können Sie wohl meine musikalischen Vorstellungen erahnen. Eine Komposition muss von mir aus gesehen eine intuitiv verstehbare Melodie aufweisen, sowie eine ebensolche Harmonik. Dies kann natürlich, wie z.B.  bei Claude Debussy, auch sehr weit aufgefasst werden. Das ist natürlich von den Vertretern der «neuen Musik» aus gesehen eine hoffnungslos gestrige Ansicht; aber das ist mir inzwischen auch egal. Bei allen meinen Stücken kann man die melodische Linie sicher ohne Probleme unmittelbar nachvollziehen.

 

 

2. Die musikalische Analyse von «Kleine Erzählung» aus «Impressionen eines Tages» - Bernhard Mieglitz

Formal ist das Stück sehr einfach aufgebaut. Es folgt einfach einer ABA Form.

 

Die Melodie mäandriert in vielen Takten um einen Ton herum. Auf diese Weise kommt auch das geforderte «parlando» zum Ausdruck. Im ersten Takt ist es das «h», im zweiten das «g», im dritten wieder das «h», im vierten das «d», usw. Das Erzählende kommt auch dadurch zustande, dass die Achtelbewegung fast durchgehend aufrechterhalten wird, selbst bei Schlusswendungen von einzelnen Phrasen, bis hin zum Mittelteil.

Auffallend sind auch die chromatischen Terzen, die gleich zu Beginn, zuerst aufsteigend später absteigend und dann wieder aufsteigend, erscheinen. Auch dieses Hin und Her unterstützt das «parlando». Harmonisch ergeben sich dadurch Reibungen mit dem melodischen Element. Eine ein bisschen genauere Analyse sei hier von den Takten 7 bis 11 gegeben. Takt 7 stellt das Ende der ersten Phrase dar: «Nur 7 Takte statt 8 Takte!». Auf dem ersten Viertel ist die Tonika «G» erreicht, um aber sofort über eine chromatische Rückung zum A-Dur Akkord auf das letzte Viertel weiterzuschreiten. Die Takte 8 bis 11 bestehen eigentlich nur aus einer Kadenz von «D» über «G» nach «A» und schliesslich in die neue Tonika «D».  Allerdings habe ich nicht einfach diese Akkorde unterlegt, sondern den Bass mit vielen chromatischen Durchgängen versehen. Dadurch entstehen mannigfaltige Dissonanzen und Gegenstimmen, die sich selbstständig von der Melodie entfernen, um sich dann aber eben wieder in die Tonika zu vereinigen.  Dies ist sicher alles andere als «schulgerecht». Auffallend sind auch die Takte 12 bis 15. Hier verwende ich chromatische Rückungen, die vom D-Akkord ausgehen und über «Es», «E», «F» schliesslich in einen B- Akkord münden. Interessant ist vielleicht auch die Melodieführung. Sie besteht wiederum aus der Anfangsmelodie und wird dann schrittweise sequenziert, bis sie schliesslich eben auf dem B-Akkord landet. Dabei wird der Ton «D» von «Cis» (Wechselnote) umkreist (Takt 13), um dann im gleichen Takt nach «Des» umgedeutet zu werden, weil sich ja die Harmonik von «D» nach «Es» chromatisch verändert hat. Dieser Teil endet dann auf F-Dur.

Im Mittelteil wird in der Melodie wieder ein Hauptton umspielt. Diesmal wird die Melodie aber jeweils zur Dominante weitergeführt. Im Takt 27 etwa ist der Hauptton «D». Die Phrase endet dann jeweils auf der Dominante. Im Bass erscheinen wieder die chromatischen Terzen. Diesmal in einer ruhigen Viertelbewegung. Die Tonart ist d-moll. Ab Takt 39 erfolgt die Rückmodulation nach G -Dur. Dabei wird der Neapolitanische Sextakkord von d-moll (Es-Dur Akkord) verwendet und in die sechste Stufe von g-Moll umgedeutet. Schliesslich wird dann nicht nach g-moll sondern einfach nach G-Dur kadenziert. Dabei wird das Tonmaterial des 6.Taktes verwendet. Die Reprise nimmt wieder die Umspielungsmotivik und Chromantik auf, um schliesslich in einer Art Coda (ab Takt 64) zu enden. Diese Coda nimmt wieder die Anfangsmelodie auf und endet in einem letzten Aufschwung in einem Spannungsakkord (Takt 69), der den ganzen Takt lang gehalten wird. Schliesslich wird der kadenzierende Takt 6 (41 und 47) wiederverwendet, um das Stück zu beschliessen.

 

Bernhard Mieglitz (*21. 01.1951 in Schaffhausen, Schweiz) ist Komponist und Klavierpädagoge. Im Alter von neun Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht an der dortigen Musikschule. Nach dem Maturitätsabschluss folgte ein Klavierstudium am Konservatorium Schaffhausen. Anschließend absolvierte er Weiterbildungen in der Kompositionsklasse von Klaus Cornell.

 

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