Die Tastenflüsterin: Hauke Kranz im Interview

„Klavierspielen ist viel mehr, als nur die richtigen Tasten im richtigen Moment zu drücken!“

Hauke Kranz ist klassische Pianistin, die mit Ihrer Musik die Tasten ihres Klaviers sprechen lässt. Nach dem Release ihres Albums „Open Skies“ folgt nun die Veröffentlichung ihres Klavierhefts im Fidelio-Verlag.

 

Fidelio Verlag: Nach dem Release Ihres Albums „Open Skies“ folgt jetzt die Veröffentlichung Ihres Klavierhefts im Fidelio-Verlag. Zu allererst möchten wir Sie deshalb fragen, warum Sie Ihre Kompositionen jetzt auch in Noten als Spielliteratur für den Unterricht veröffentlichen?

Hauke Kranz: In den vergangen Jahren gab es immer wieder Anfragen von klavierspielenden Fans und von meinen Klavierschülern, ob meine Klavierstücke auch als Noten zu bekommen sind. Ich selbst notiere meine Kompositionen nicht in Noten – sie existieren in meinem Kopf und in Skizzen. Inzwischen sind es aber so viele, dass ich sie festhalten möchte. Dieses Notenheft ist ein erster Schritt dazu.

F.V.: Für welche Zielgruppe eignet sich Ihre Literatur und was genau kann man aus Ihren Kompositionen mitnehmen und neu dazu lernen?

H.K.: Meine poetischen Klavierstücke eignen sich als Spielliteratur für den Unterricht mit (fortgeschritteneren) Jugendlichen und Erwachsenen. Dort höre ich oft den Wunsch, neben den bekannten klassischen Stücken auch neue Musik im Stil von Ludovico Einaudi oder Yann Tiersen zu spielen. Man kann daran wichtige Spieltechniken der Romantik üben, die selbstständige musikalische Gestaltung lernen und seinen Klang entwickeln.

F.V.: Ihr musikalischer Lebensweg als klassische Pianistin ist geprägt von vielen verschiedenen Stationen, in wechselnden Formationen, als Solistin, im In- und Ausland. Bei all diesen Konzerten fungierten Sie meist als reine Interpretin. Doch heute präsentieren Sie sich in einem ganz neuen Gewand und komponieren Ihre ganz eigene Musik. Wie genau gestaltete sich dieser Weg für Sie?

H.K.: Der Wendepunkt kam 2015, als ich auf einmal anfing, eigene Stücke zu komponieren – nur für mich. Ich habe sie dann im engsten Freundeskreis und einigen Schülern gezeigt, und die Resonanz war so überwältigend, dass ich Mut fasste, mich damit öffentlich zu zeigen. Schon zwei Jahre später (2017) hielt ich meine erste CD „A new Dawn“ in Händen, die ich mit einem Crowdfunding zusammen mit vielen Unterstützern finanziert habe. Es folgten viele berührende Livekonzerte, die mich bestärkten, auf diesem Weg weiter zu gehen. Ich beziehe meine Fans in den sozialen Medien, mit meinem Youtube-Kanal und in meinem Newsletter ganz nah in meine Schaffensprozesse ein und lasse sie hinter die Kulissen gucken. Ende 2019  kam dann mein zweites Album „Open Skies“ dazu, mit dem ich 2020 auf Tour sein wollte. 

F.V.: Das Komponieren von Musik ist ein kreativer Schaffensprozess, der nicht selbstverständlich auf Knopfdruck abgerufen werden kann. Auf welcher Basis entstehen Ihre Kompositionen?

H.K.:  Durch mein Studium habe ich die theoretische Basis wie Harmonielehre und das Handwerk am Instrument gelernt. Das ist für mich eine wichtige Grundlage, wenn es darum geht, aus einer musikalischen Idee ein komplettes Stück zu formen. Aber die Inspiration zu einer neuen Komposition - den ersten „Funken“ - kann ich nicht beeinflussen. Manchmal dauert es Wochen und Monate, bis eine neue Komposition zu mir kommt. Ich gehe in die Stille, in die Natur und lausche … und plötzlich ist die Idee da.

F.V.: Sie selbst bezeichnen sich als „Tastenflüsterin“. Wie ist dieser außergewöhnliche Name entstanden?

H.K.:Das war nicht geplant und ist auch keine Marketingidee. Ich hatte mir schon eine Weile die Frage gestellt, was da in Konzerten wirklich zwischen mir und meinen Zuhörern passiert. Meine Musik öffnet einen Raum, wo die Menschen ganz tief bei sich ankommen und sich daran erinnern, wer sie wirklich sind. Ich habe dann nicht mehr das Gefühl, dass „ich“ spiele, sondern dass durch die Klänge ein Gespräch von Herz zu Herz entsteht. In einem Traum bekam ich dann die Antwort: Dort saß ich auf der Bühne, „heilte“ mit meiner Musik die Menschen und nannte mich ganz selbstverständlich „Die Tastenflüsterin“. Die Entscheidung, diesen Ruf anzunehmen und mich tatsächlich so zu nennen, war ein großer Schritt raus aus der Komfortzone, aber auch ein Geschenk.

F.V.: Im Laufe Ihrer Karriere und vor allem Ihrer Selbstständigkeit, haben Sie sich stark auf den Unterricht mit Erwachsenen spezialisiert. Was zeichnet Sie in diesem Bereich aus?

H.K.:Schon in meiner Zeit an der Musikschule habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Erwachsenen arbeite. Während viele Kollegen darin keinen Sinn sahen, habe ich gesehen, wie viele Menschen schon lange vom Klavierspielen träumen. Doch sie lernen anders als Kinder und brauchen ein anderes Setting. 2004 habe ich mich selbstständig gemacht, (ältere) Erwachsene und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt meiner Arbeit gestellt und intensiv erforscht, auf welche Weise das Gehirn in diesem Lebensabschnitt „tickt“. Heute bin ich in meiner Region als Expertin für Klavierunterricht mit Erwachsenen bekannt.

F.V.: Ihrer Homepage ist zu entnehmen, dass Sie im Klavierspielen noch viel mehr sehen, als das reine Handwerk. Was möchten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern mit diesem Ansatz mitgeben und vermitteln?

H.K.:„Klavierspielen ist viel mehr, als nur die richtigen Tasten im richtigen Moment zu drücken!“. So hat es mal eine Schülerin ausgedrückt. Es beflügelt Dich und bringt Dich in Kontakt mit Deinen innersten Gefühlen. Aber es fordert auch heraus und gerade Erwachsene merken oft, wie sehr sie sich selbst gegenüber ungeduldig oder sogar hart sind. Für mich ist Musik (und Musikmachen) eine Lebenshaltung und ein Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Ich sehe mich da als Vorbild und auch Begleiterin meiner SchülerInnen.

F.V.: Sie beschreiben Ihren Stil als „Poetic Piano“ und kombinieren somit Ihr brillantes Klavierspiel mit ausgereifter Klanggestaltung. Was genau erwartet einen Pianisten oder Musiker*in, der Ihre Noten spielen möchte?

H.K.: Meine Musik steht in der Tradition der romantischen Klaviermusik von Chopin, Mendelssohn und Schumann. Von ihm stammt auch der Satz, dass Musik „poetisch“ sein – heute würde man sagen „mitten ins Herz“ gehen soll. Die Klaviersatz des Notenbandes „Open Skies“ ist dicht, technisch durchaus fordernd und geprägt durch warme, umhüllende Harmonien und leuchtende Melodien im Erzählton. Man kann sich von den CD- Aufnahmen inspirieren lassen, aber es ist auch viel Raum, um die eigenen Bilder und Gefühle darin auszudrücken.

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