Ein Interview mit dem Komponisten Hansgeorg Mühe

Vor Kurzem sind im Fidelio-Verlag „Einige Stil-Parodien zum Vortrag am Klavier“ von Hansgeorg Mühe veröffentlicht worden. In seinem Werk parodiert er hier die verschiedensten Komponisten vom Barock bis in die Gegenwart.

Wir fragen nach & wollen wissen, wie Hansgeorg Mühe auf die Idee gekommen ist, verschiedene Komponisten zu parodieren.

Während meines Studiums lernte ich eine Arbeit von G. Becking ("Der musikalische Rhythmus als Erkenntnisquelle") – mit ihren großartigen, treffenden Stil-Beschreibungen – kennen. Diese Arbeit wird allerdings von dem Wissen überschattet, dass die Nationalsozialisten Beckings Untersuchungen missbrauchten und er sich nicht dagegen verwahrt hat. Becking begründet das Vorhandensein unterschiedlicher Stile einseitig in der Veranlagung, im Genetischen im Erbgut. Es gibt aber viele weitere Faktoren (u.a. Sprache, Erziehung, Tradition weltanschauliche Leitbilder), die zu einem eigenständigen Kompositions-Stil hinführen. Über diese Einflüsse habe ich einige Arbeiten veröffentlicht - u.a. »Musikalische Stilkunde« (DVfM / Leipzig / 1988).

Warum haben Sie ein Kinderlied als Ausgangspunkt des Parodierens genommen?

Da bin ich - ehrlich gesagt - überfragt, ich weiß es einfach nicht (mehr). Über Stilprobleme hatte ich natürlich auch mit Kindern (meinen Schülern) gesprochen; die Eigenarten an einem Kinderlied demonstrierten. Daran anknüpfend habe ich oft - zur launigen Unterhaltung - das gleiche Lied als Ausgangspunkt genommen. Und so ist es dann (fast unbemerkt von mir) in die Stilparodien übernommen worden.

Mit welchem dieser Komponisten können Sie sich selbst am besten identifizieren & warum?

Ich habe wohl über tausend Mal auf der Bühne gestanden - richtiger auf der Bühne (am Flügel) gesessen. Ich habe Musik aus allen Stil-Epochen und von vielen bedeutenden Komponisten interpretiert und mich dabei mit allen identifiziert - sonst hätte ich die Werke nicht vortragen können. Auch in den »Parodien« habe ich diese innere Einstellung gegenüber den Vorbildern.

Wie würden Sie Ihren Kompositionsstil selbst bezeichnen?

Lebensfroh, heiter, optimistisch, humorvoll - auch witzig (aber mit Eleganz - und ohne billigen Klamauk).

Ihre musikalische Karriere ist geprägt von vielen Stationen. Sie selbst sind sowohl als Komponist, Musikwissenschaftler, Dirigent, Arrangeur, als auch Pianist, an den verschiedensten Orten, tätig. Mit welchem dieser verbinden Sie Ihre erfolgreichsten musikalischen Erinnerungen und besondere Ereignisse?

Eigentlich ist jedes Konzert; das ich gebe, auch für mich ein Erlebnis. Es sind aber ganz besonders meine Auftritte mit der Geigerin Dagmar Meffert (als »Kranichfelder Instrumental-Duo«). Es gab im vergangenen Jahr ein Konzert, bei dessen Ende wir beide das Gefühl hatten, uns selbst übertroffen zu haben. Und dann ein regelrechter Schock: die Leute standen plötzlich alle auf und kamen vor zur Bühne, applaudierten - fast 10 Minuten "Standing Ovations".

Sie haben in Ihrer Karriere bisher eine enorm hohe Anzahl Kompositionen und wissenschaftlicher Literatur veröffentlicht. Wo finden Sie Ihre Inspirationsquelle?

Kompositionen sind Reaktionen auf Reize und Einflüsse - gute und schlimme - der Umgebung. Ich habe und hatte das Glück, überwiegend freundliche Impulse von außen zu empfangen und musste mich fast nie in meiner Musik "abreagieren".

Meine Kraftquellen:

• Ich habe die richtige Frau an meiner Seite und eine wunderbare Familie

• Ich hatte großartige Lehrer, die mich mit aller guten Musik und mit deren philosophisch-weltanschaulichen Hintergründen vertraut gemacht haben

• Ich bin als Lehrer in verschiedenen Institutionen tätig gewesen - und es waren fast immer Stellen mit einem guten Arbeitsklima - ein Kollege hatte es einmal so formuliert "eine Oase der Menschlichkeit in einer düsteren Zeit".

Schon bald erscheint Ihr neuestes Werk „Musikalische Grüße“ im Fidelio-Verlag. Auf was genau dürfen wir uns freuen?

Als »Kranichfelder Instrumental-Duo treten wir - Dagmar Meffert (Violine) und ich / Hansgeorg Mühe (Klavier) seit einigen Jahren konzertierend auf. Zu unserem Repertoire gehören neben den Standardwerken dieser Besetzung – den großen Sonaten und Konzertstücken der letzten drei Jahrhunderte – auch beliebte unterhaltsame kleinere Werke der Klassik und Romantik.

Daran anknüpfend habe ich selbst einige Kompositionen geschrieben, die ich hier als »Musikalische Grüße« vorstellen möchte.

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