Im musikalischen Spektrum von Benedikt Bindewald

Benedikt Bindewald ist freischaffender Geiger, Komponist und Performer. Er lebt in Berlin und Tel Aviv. Sein künstlerisches Spektrum reicht von der Interpretation klassischer, zeitgenössischer und populärer Musik über Performance, als Musiker und Schauspieler im Theater, bis hin zur Komposition von Instrumental-Musik und Musiktheater-Werken. Er spielte bereits bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, den Bremer Philharmonikern, im Lunaire Quartett, sowie im Schauspielhaus Zürich, der Liederhalle Stuttgart und der Philharmonie Berlin. Der gebürtige Frankfurter (Main) ist in Fulda aufgewachsen und studierte Violine & Komposition in Bremen und Berlin. In diesem Jahr ist sein „Album für Klavier“ im Fidelio Verlag veröffentlicht worden.

 

Wie würdest Du in 3 kurzen Sätzen Dein „Album für Klavier“ beschreiben?

Das Album für Klavier ist ein Spielbuch für zuhause und für den Unterricht, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, es beinhaltet unterschiedlicher Musikstile aus ein und derselben Feder. Es ist eine Sammlung aus kurzen Stücken, die immer einen künstlerischen Ansatz haben, so leicht und unschuldig einige zunächst rüberkommen. Ein Teil der Stücke lässt sich ohne Ende wiederholen und die Corona-Krise war ein geeigneter Anlass, diese Stücke jetzt herauszubringen.

 

Dein Hauptinstrument ist die Geige: Was hat Dich deshalb dazu inspiriert Werke für Klavier zu komponieren?

Ich sitze oft zuhause am Klavier und spiele zur eigenen Freude, alles was ich gerade so an Noten da habe: Wohltemperiertes Klavier, Mozart-Sonaten, Schubert-Walzer usw. Ich habe es auf dem Klavier niemals in die virtuosen Höhen geschafft, aber es hat mich immer begleitet, und wenn auch die Geige eindeutig mein Instrument ist, war das Klavier immer ein wichtiger Freund. Die Stücke aus dem Album für Klavier sind daher meistens spontane Ideen, die ich zu längeren Stücken auskomponiert habe, keine im Vorhinein geplanten Werke, wie ich sie sonst für Ensembles schreibe. Es ist eine Sammlung, die über die letzten fünfzehn Jahre entstanden ist, aus sehr unterschiedlichen Lebensabschnitten. Daher gibt es auch keinen durchgehenden Kompositionsstil darin, es zeigt das ganze musikalische Spektrum in dem ich mich bewege.

Das Klavier war mein Erstinstrument, mit sechs Jahren habe ich angefangen, und ich habe fast nie geübt, fast immer nur gespielt. Das war nicht sehr hilfreich für die Technik, aber für einen leichtherzigen Umgang damit. Und mit der Unbeirrtheit meiner geduldigen Lehrer, zuletzt Gabor Paska an der UdK Berlin, aber auch Prof. Sergej Zirkunov, Karl-Heinz Bachmann-Wießner in Fulda und Viviane Goergen in Frankfurt, war ich nach Abschluss des Nebenfachs Klavier in der Lage, alles was ich wollte zu spielen.

 

2017 hast Du zusammen mit Florian Bergmann & Minouche Petrouche am Theater o. N. in Berlin ein Musiktheater-Stück für Kinder komponiert und entwickelt. Als Grundlage dienten Euch die neun Töne des Kinderliedes „Heut kommt der Hans zu mir“, die ihr in Spiel, Tanz & Gesang in Form eines magischen Quadrates auf 3x3 und farbigen Platten darstellten. Dieses „Klangquadrat“ ist eine sehr außergewöhnliche Idee Musik sichtbar zu machen. Wie haben die Kinder diese Sichtbarkeit der Musik auf- bzw. angenommen?

Die Reaktionen sowohl von Kindern als auch von Eltern auf „Klangquadrat“ sind immer sehr gut. Es basiert auf einer so simplen Idee, dass alle mitverfolgen können, worum es geht, auch schon ab einem Alter von 2-3 Jahren, aber gleichzeitig sind die musikalischen wie theatralen Ideen so vielfältig, dass keinem langweilig wird. Die Musik dazu zu schreiben, war eine Herausforderung für Florian Bergmann und mich, da wir beide gewöhnlich sehr viel atonal komponieren und eine Beschränkung auf neun Töne erst einmal sehr einengend wirkte. Aber wir haben unsere Wege damit gefunden und die ständige Frage, wie sich die drei Personen auf dem Quadrat bewegen können, während sie die Musik machen, hat so viel Kopfzerbrechen bereitet, dass uns beim Komponieren nicht langweilig wurde. (zur Erläuterung: wir spielen oder singen jeweils immer den Ton, der einer bestimmten Fläche im Quadrat zugeordnet ist, wenn wir darauf stehen. Dadurch entsteht mit jeder Musik automatisch auch eine Choreographie). Ich bin sehr froh, dass wir jetzt eine Ausgabe der Stücke haben, die jedermann nachspielen kann. Das Stück hat schon viele Fans, Amateure wie Profis, und oft genug sind dies Musiker, die die Musik selbst spielen möchten. Ich bin sehr froh, dass mein Freund und Kollege Florian Bergmann ebenfalls Klavier-Versionen zu seinen Stücken aus Klanquadrat geschrieben hat, die ins Buch mit eingeflossen sind.

 

Du selbst bezeichnest Dich ebenso als Wandermusiker. Dieser Begriff hat seinen Ursprung im Mittelalter und bezeichnete Berufsmusiker, die mit Tanz, Schauspiel und ihrem Instrument die Menschen unterhielten. Inwiefern hat sich dieser Begriff in Deinen Augen verändert oder trifft immer noch zu?

Als Wandermusiker bezeichne ich mich, da ich hin und wieder meine Geige und leichtes Gepäck nehme und zu Fuß durch die Gegend wandere, Strecken wie zum Beispiel Berlin-Leipzig, oder Leipzig-Fulda. Für Übernachtungen frage ich Leute auf dem Weg, ob sie mir gegen ein Privat-Konzert einen Schlafplatz und Essen geben. Das ist in der Tat sehr altertümlich. Aber die Direktheit des Kontakts, in den man damit tritt, ist durch nichts zu ersetzen. Ich komme auf diesen Wanderungen ausschließlich mit spannenden Leuten in Kontakt, die anderen werden mich vor der Tür stehen lassen. Man kommt manchmal sehr an seine Grenzen, wenn man sucht und nicht findet, was oft genug passiert, aber es gibt mehr offene Menschen in der Welt als man gemeinhin so erzählt bekommt.

 

Du hast zusammen mit Deiner Ehefrau ebenso das erfolgreiche Duo „Auster Bunny“. Wie beschreibst Du Eure Musik zw. den musikalischen Kern Eures Schaffens?

Meine Frau Rilli Willow ist eine Sängerin, die in allen Genres zuhause ist, von klassischem Gesang über zeitgenössischem Musiktheater hin zur Rock- und Popmusik. In unserer Band „Die Auster Bunny“, die wir als String-Pop einordnen, kann man diese Vielfalt wiederfinden. Es ist Singer-Songwriter-Material, also eingängige Songs, mit allerdings tiefgehenden Texten. Rilli schreibt die Texte zu ihren Liedern gewöhnlich über Krisen und schwere Zeiten, die sie durchlebt hat, und die sie verwandelt in eine Perle (daher die Auster im Namen). Aber Rilli hat stimmlich alle Möglichkeiten und meine Arrangements ihrer Lieder, so poppig sie auch sind, enthalten doch ihr kompositorisches Handwerk und verweisen in der besonderen Instrumentierung mit drei Streichern auch in die Vergangenheit von Streichquartett und Kunstlied.

 

Wenn Corona ab morgen vorbei wäre, wo würdest du sofort mit Deiner Geige spielen wollen?

Wo auch immer es geht. Auch jetzt gibt es viele Anfragen, bei denen immer bis zum Schluss offen ist, ob sie tatsächlich stattfinden oder nicht. Wenn Corona morgen vorbei wäre, würde ich vielleicht meine Geige nehmen und zum nächsten Privat-Konzert loswandern. Aber im Moment darf man noch nicht so denken. Viel eher ist die Frage, wie wir unsere Kultur erhalten während der Krise.

 

 

Weitere Infos und Videos finden Sie hier:

Album für Klavier - Benedikt Bindewald - Teaser: https://www.youtube.com/watch?v=VK8-iOKuPH8

Album für Klavier - Benedikt Bindewald - Für Bea: https://www.youtube.com/watch?v=ksWuapmnv2o

 

 

 

 

 

 

 

 

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